Geschichte der Schule

Mit der Gründung des Benediktinerklosters Werden durch den Heiligen Ludgerus im Jahre 799 wurde auch eine Lateinschule errichtet, die zunächst der Erziehung und Ausbildung des Priesternachwuchses diente. Reformen und Veränderungen haben die Entwicklung der Schule immer wieder mitbestimmt und sie den Bedürfnissen der Zeit angepasst. So wurde die Klosterschule im 16. Jahrhundert Vollgymnasium und zugleich Priesterseminar.

Mit der Säkularisation im Jahre 1803 erfolgte die Aufhebung der Benediktinerabtei. Die Schule blieb jedoch bestehen und ging als "katholisch höhere Rektoratsschule" in die Obhut der katholischen Kirchengemeinde über und nahm auch weiterhin nur Jungen als Schüler auf. Parallel dazu wurde eine "evangelisch höhere Rektoratsschule" gegründet. 1906 kam es zu einem Wechsel des Schulträgers. Durch einen Vertrag zwischen dem preußischen Staat, der Stadt Werden und der katholischen Kirchengemeinde übernahm die Stadt Werden die katholische Schule und führte sie mit der evangelischen höheren Rektoratsschule zum "Städtischen paritätischen Gymnasium Werden" zusammen.

1926 stiftete der Fabrikant Julius Forstmann das heutige Schulgebäude. Das Gymnasium Werden zog von seinem Standort gegenüber der Abteikirche in die Grafenstraße um. 1929 übernahm die Stadt Essen das Gymnasium, das als "Neusprachliches Gymnasium für Jungen" mit Englisch als Anfangssprache geführt wurde.

Zur Geschichte Werdens wie zur Geschichte des Gymnasiums Werden gehört an dieser Stelle auch der Verweis auf eine kleine jüdische Gemeinde mit Betsaal / Synagoge seit 1816. Der Ort wie auch das Werdener Gymnasium erfuhren von dieser Gemeinde vielfache Förderung, zumal durch die jüdische Familie Simon, Besitzer des Holzbearbeitungswerks Döllken. Der Fabrikant Ernst Simon trug erheblich dazu bei, dass 1926 das Hauptgebäude und 1928 die Jugendhalle, heute Aula, feierlich eröffnet werden konnten. Dass 1938 die jüdische Gemeinde Werden zerschlagen, die meisten ihrer Mitglieder in KZ’s ermordet wurden, bedeutet das dunkelste und schmerzlichste Kapitel der Werdener Geschichte. Regelmäßige Kursfahrten nach Auschwitz sowie Stolpersteine vor dem Eingang des Gymnasiums als Erinnerung an drei ehemalige jüdische Schüler, an Jacob Herz, Hans Simon und Felix Steeg, halten heute, auch außerhalb des Unterrichts, die mahnende Erinnerung an den Holocaust wach.

1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, begann eine neue Entwicklungsphase des Gymnasiums. Chor und Orchester der Schule wuchsen und traten mit ersten Konzerten an die Öffentlichkeit. Das Schultheater, geleitet von Dr. Anton Bittner, entwickelte sich zu einem bedeutenden Erziehungs- und Bildungsfaktor des Werdener Gymnasiums. Gleichzeitig war eine beträchtliche Entwicklung der Sportaktivitäten am Gymnasium Werden zu verzeichnen. Immer wieder errangen die Schüler sportliche Erfolge, so dass das Gymnasium Werden seit langem zu den herausragenden Schulen beim Stadtwaldfest in Essen, bei den rheinischen Bannerwettkämpfen und im Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" zählt.

1965 kam es nach einer langen Erprobungsphase zur Errichtung des musischen Zweiges am Gymnasium Werden, und die ersten Mädchen wurden aufgenommen. Musik, Förderung der musischen Fähigkeiten, wurde ein bedeutender Schwerpunkt der Schule. Aufführungen im In- und Ausland, in Prag, Burgund, Salzburg und mehrfach – mit Bachs „Matthäuspassion“ – in Rom machten die Schule überregional bekannt und für musisch begabte Schüler besonders attraktiv.

Um das neusprachliche Angebot zu erweitern, wurden in der Oberstufe 1992 das Fach Italienisch und 2015 das Fach Spanisch eingeführt. Im Bereich der Erprobungsstufe wurden mehrere Profile aufgebaut: neben Musik und Freiarbeit die Profile Englisch plus sowie im naturwissenschaftlichen Bereich Science plus. Außerdem gelang es inzwischen, die Einrichtungen für das Fach Informatik und das fächerübergreifende, computergestützte Arbeiten zu installieren. Drei Computerräume stehen heute für den modernen, mediengestützten Unterricht bereit. Seit 2004 wird gezielt der Ausbau der naturwissenschaftlichen Fächer (MINT) betrieben. Neue Räume, vielfache Kooperationen und die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben stützen die Arbeit und haben dazu geführt, dass die Schule 2015 Mitglieder der Initiative MINT-EC geworden ist.

Von besonderem Gewicht für das Profil und die überregionale Bedeutung der Schule ist auch die Aufnahme des Faches Tanz in den Fächerkanon in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Damit können interessierte und talentierte junge Menschen – einzigartig in Deutschland – an einem Gymnasium gleichzeitig eine vorberufliche Tanzausbildung erwerben. Seit dem Jahr 2000 kann Tanz als Leistungskurs und damit als Abiturfach gewählt werden. Dies zieht Schüler aus dem ganzen Bundesgebiet und auch aus dem Ausland an das Gymnasium Essen-Werden. Herausragende jährliche Tanzabende in der Folkwang-Aula erreichen ein großes Publikum. Seit 2006 stehen auch Internatsplätze für die Tanzschüler bereit.

Durch die lange Geschichte der Schule und die vielen, breitgefächerten Aktivitäten und Angebote, die stets über die Stadt hinaus in der Öffentlichkeit große Beachtung fanden, wurde und wird bis heute die Identifikation der Schüler mit ihrer Schule, dem Gymnasium Werden, gefördert. Die Ehemaligen bleiben der Schule verbunden und nehmen immer wieder und in großer Zahl an den vielen kulturellen Ereignissen teil.